"Eine gesunde Gelassenheit ist sowohl im Alltag als auch im Sport sehr wichtig"
Marcel Neumeier verbindet mit den TTSF Hohberg weit mehr als sportliche Erfolge. Der langjährige Tischtennisspieler spricht über volle Hallen und besondere Relegationsabende, über den Ehrgeiz als Antrieb und über jene Gemeinschaft, in der er auch nach seinem Wechsel zum TTC 95 Odenheim weiterhin mitwirken möchte. Zugleich zeigt sein Blick auf Training, Ehrenamt und Gelassenheit, welche Haltung ihn am Tisch und darüber hinaus prägt.
TTSF: Marcel, welche Erinnerungen an den Verein sind dir besonders geblieben?
Marcel: Schöne Erinnerungen an den Verein habe ich eine ganze Menge – und es werden eigentlich laufend mehr. Sportlich stechen natürlich die beiden Relegationsspiele hervor: zum einen die Relegation zur Oberliga, als wir nach einem Sieg gegen die TG Donzdorf anschließend in einem hochdramatischen Match den TTC Gnadental mit 9:7 besiegten und dabei von einem Bus mit rund 50 Hohberger Anhängern unterstützt wurden. Zum anderen die gewonnene Relegation gegen den TTC Sachsenring Hohenstein-Ernstthal 2 und der damit verbundene Aufstieg in die 3. Bundesliga Süd.
TTSF: Und welche Momente abseits dieser großen Erfolge verbindest du mit den TTSF Hohberg?
Marcel: Noch weiter zurückgeblickt bleiben natürlich zahlreiche Lehrgänge bei uns in der Halle in Erinnerung, die sowohl sportlich einen riesigen Mehrwert hatten als auch die Gemeinschaft stärkten. Ansonsten gefallen mir immer die Heimspieltage, an denen die Halle richtig voll ist und es einfach Spaß macht, sowohl selbst zu spielen als auch nur zum Zuschauen zu kommen. Auch auf Veranstaltungen wie die Weihnachtsfeier oder das Sommerfest freue ich mich jedes Jahr.
TTSF: Was unterscheidet die TTSF Hohberg für dich von anderen Vereinen?
Marcel: Ich finde, der gesellige Teil in unserem Verein, gerade nach dem Training, macht den Verein so besonders. Wenn ich ins Training gehe, freue ich mich immer auf zwei Dinge: zum einen darauf, Tischtennis zu spielen, zum anderen aber auch genauso darauf, mich nach dem Training oben in der Küche mit den verschiedenen Leuten zu unterhalten und gemeinsam den Trainingsabend ausklingen zu lassen. Selbst wenn ich es zeitlich einmal nicht ins Training schaffe, komme ich sehr oft am Abend noch in der Halle vorbei, um ein paar entspannte und gesellige Momente zu verbringen.
TTSF: Gab es ein Schlüsselerlebnis, durch das du im Tischtennis richtig durchstarten wolltest?
Marcel: Ein Schlüsselerlebnis im klassischen Sinne gab es nicht. Ich war jedoch bereits von klein auf sehr ehrgeizig, egal, was ich tat. Dementsprechend wollte ich auch im Tischtennis immer so gut werden wie möglich. Früher konnte ich beispielsweise nie eine Übung beenden, wenn ich nicht den letzten Punkt gemacht hatte. Manchmal kommt das auch heute noch vor. Dieser Ehrgeiz war und ist noch immer ein wichtiger Faktor für mich.
TTSF: Welche sportlichen Erfolge bedeuten dir bis heute am meisten?
Marcel: Die beiden Erfolge in den Relegationsspielen zählen auf jeden Fall zu den größten und schönsten Erfolgen auf Mannschaftsebene. Hinzu kam 2019 nach der Relegation in Gnadental noch der gewonnene Deutsche Pokal für Verbandsspielklassen der Herren A in Gaimersheim, der jener Saison noch einmal das i-Tüpfelchen aufsetzte. Außerdem bin ich recht stolz auf meinen zweiten Platz bei den BaWü-Meisterschaften 2026 im Herren-Einzel und die damit verbundene Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen in Erfurt, die definitiv ebenfalls ein sehr besonderes Event in meiner Karriere waren.
TTSF: Welcher Trainingsansatz hat dich am weitesten gebracht?
Marcel: Ich finde es enorm wichtig, im Training Übungen zu spielen und nicht nur Matches zu machen. In der Jugend hatte ich viel Systemtraining, wodurch ich mich kontinuierlich verbessert habe. Nach der Jugendzeit gab es allerdings eine Phase, in der ich im Training überwiegend nur Spiele gemacht habe. Rückblickend habe ich festgestellt, dass ich mich in dieser Zeit kaum verbessert habe.
TTSF: Wie sieht dein Training heute konkret aus?
Marcel: Mittlerweile spiele ich eigentlich fast immer zwei bis drei Übungen im Training, die gezielt meine Schwachpunkte ansteuern und häufig vorkommende Spielsituationen simulieren. Dadurch habe ich noch einmal einen großen Schritt nach vorne gemacht.
TTSF: Was hat dich dazu bewegt, dich ehrenamtlich so stark für den Sport einzusetzen?
Marcel: Ich habe selbst jahrelang vom ehrenamtlichen Engagement anderer Leute profitiert. Daher war es für mich schon immer sehr naheliegend, dieses selbst erfahrene Engagement zurückzugeben, indem ich mich ebenfalls ehrenamtlich einbringe. Hinzu kommt natürlich, dass mir der Verein und der Tischtennissport enorm wichtig sind. Deshalb habe ich auch ein großes Interesse daran, beides durch mein Tun zu unterstützen und zu fördern.
TTSF: Du bist inzwischen zum TTC 95 Odenheim gewechselt. War damit auch ein Rückzug aus der Vorstandschaft ein Thema?
Marcel: Gerade jetzt, nach meinem Wechsel zum TTC 95 Odenheim, stand es für mich nie zur Debatte, meine Vorstandstätigkeit niederzulegen. Weil ich dem Verein nun nicht mehr als Spieler zur Verfügung stehe, war es mir sogar besonders wichtig, mein Mitwirken in der Vorstandschaft auf jeden Fall fortzuführen. So kann ich trotzdem ein aktiver Teil des Vereins bleiben und meinen Beitrag dazu leisten, dass dieser auch weiterhin gut dasteht.
TTSF: Welche Werte sind dir im Sport und im Alltag besonders wichtig?
Marcel: Ich denke, eine gesunde Gelassenheit ist sowohl im Alltag als auch im Sport sehr wichtig. Gerade im Tischtennis blockiert bei vielen Spielern der Kopf das eigene Spiel, insbesondere in engen Spielsituationen. Wem es gelingt, in solchen Momenten eine gewisse mentale Entspannung zu schaffen, hat meiner Meinung nach einen viel besseren Blick auf die Situation und kann deutlich einfacher die richtige Entscheidung treffen, die über den nächsten Punktgewinn oder sogar über Sieg oder Niederlage entscheidet.
TTSF: Hilft dir diese Gelassenheit auch außerhalb der Halle?
Marcel: Ich denke, auch im Alltag lassen sich Probleme oft dann am besten lösen, wenn man entsprechende Situationen aus einer ruhigen und gefassten Perspektive betrachtet.
Das Interview führte Leon Huck














